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Meinung zu: Ist DSDS fair? Haben alle eine Chance?
| TV, Kino, Film |
Es ist ein Dauerthema. Ist DSDS gerecht? Haben alle Kandidaten bei DSDS die gleichen Chancen? Können Frauen/ Mädchen überhaupt bei DSDS gewinnen? Entscheidet der Zuschauer bei DSDS nach „Qualität“?
Viele Fragen, die im folgenden untersucht werden sollen.
Eines steht unabhängig von der Beantwortung der genannten Fragen fest. DSDS ist die erfolgreichste Casting-Show im deutschsprachigen Raum (erste Staffel 2002). Ungeachtet aller Diskussionen erreicht DSDS immer wieder tolle Einschaltquoten und man ist ständig im Gespräch. Natürlich ist der Erfolg der Gewinner nicht immer gleich und zumeist eher längerfristig bescheiden, aber die Zuschauer sind von DSDS immer noch begeistert.
Trotzdem mehrt sich die Kritik in letzter Zeit. Braucht DSDS Regeländerungen, um auch weiterhin die Nr.1 der Casting-Shows zu bleiben?
Jüngster Aufreger ist das Ausscheiden von Vanessa. Sie galt allgemeinhin als bester Sängerin in dieser Staffel und auch Aussehen und Ausstrahlung hätten für ein Finale gereicht. Das Gesamtpaket stimmte also. Trotzdem musste sie am Samstag die DSDS-Segel streichen. Warum? Nun, der Grund ist ganz einfach. Es haben nicht genug Zuschauer für sie angerufen. Das ist natürlich nur der unmittelbare Grund und keine Erklärung. Die liefert Vanessa aber selbst.
„Wäre ich ein Junge, hätte ich eine schwere Kindheit gehabt oder sonst irgendwas: vorbestraft, streitlustig, zickig – dann wäre ich weitergekommen, dann hätten die Zuschauer für mich angerufen...“ (aus Bild.de vom 20.03.12).
Aber ist das wirklich so? Fakt ist, dass in der Geschichte von DSDS nur einmal eine Frau gewonnen hat, nämlich Elli Erl 2004 und auch sonst in den Finals die Damenwelt eher unterrepräsentiert war. So stehen zum Beispiel in diesem Jahr unter den TOP7 nur ein Mädchen (Fabienne). Auch auf Platz 2 gab seit der dritten Staffel nur 2 Frauen (Sarah Kreuz 2009 und Sarah Engels 2011). Beide galten übrigens als die besseren Sänger gegenüber den jeweiligen Siegern Daniel Schuhmacher und Pietro Lombardi.
Stimmt es also tatsächlich, dass Frauen/ Mädchen fast keine Chance bei DSDS haben? Es scheint tatsächlich so. Bisher gibt es keine verlässlichen Auswertungen über die Anrufer bzw. Alter und Geschlecht der Anrufer. Überall vermutet wird aber, dass das Gros der Anrufer solcher Casting-Shows wie DSDS weiblich sind und zudem relativ jung. Außerdem rufen diese „jungen Mädels“ gerne auch häufiger als 1 mal an um ihren Favoriten zu pushen.
Könnte man dann aber nicht vermuten, dass diese Anruferinnen vor allem für Frauen und Mädchen anrufen, sozusagen aus einer geschlechtlichen Solidarität heraus? Nein, das ist ein wohl eher untergeordneter Grund zum Anrufen. Vielmehr schwärmen diese Anruferinnen für ihre(n) männlichen DSDS Favoriten und versuchen ihnen zu helfen. Wird dann noch vom Sender eine Geschichte um den Schwarm gesponnen (schwere Kindheit, einsamer Streiter, benachteiligter Junge o.ä.), kommt noch Mitleid dazu und „verführt“ noch mehr Anruferinnen zum Anrufen. Kandidat Joey Heindle (18) ist ein solches Beispiel. Singen kann er nicht besonders, aber er hat schlimme Zeiten hinter sich, die RTL sichtbar ausschlachtet. Zudem zeigt er Gefühle (weint häufiger mal) und ist stets unsicher. Ähnlich wie bei der letzten Staffel Pietro Lombardi ist er damit ein echter Titelfavorit bei DSDS.
Und was sagt eigentlich Dieter Bohlen dazu?
Er habe Respekt vor der Entscheidung der Zuschauer (bzw. Anrufer), sieht das Ergebnis selbst aber anders. Nicht entgangen dürfte ihm aber sein, dass die Einschaltquoten von DSDS tendenziell nach unten gehen. Letzten Samstag sahen 4,86 Millionen die Show, 2011 waren am gleichen Abend 6,97 Millionen dabei und das lag sicherlich nicht nur an der Vielzahl von neuen Casting-Shows („Casting-Show Müdigkeit“) und dem tollen Wetter am Samstag.
Was also sollte sich bei DSDS ändern?
Die am Samstag ausgeschiedene Vanessa hat bei Bild.de vorgeschlagen, die Zuschauer nicht mehr alleine entscheiden zu lassen, sondern die DSDS Jury bei den Finals am Ergebnis zu beteiligen.
Außerdem ist sie für die Einführung einer Frauenquote, zumindest bis zu den letzten 4 Kandidaten.
Vorschlag eins erscheint durchaus plausibel und würde für mehr gesangliche Qualität sorgen, dagegen ist Vorschlag zwei weniger sinnvoll, da dieser Vorschlag nichts mit Qualitätsdenken zu tun hat, sondern nur ein Geschlecht im Fall der Fälle künstlich hochhält.
Grundsätzlich problematisch ist die Art der Kandidaten-Präsentation durch RTL. In dem Stil, wie dies die letzten Staffeln passiert, ist der männliche „Problem-Kandidat“ klar bevorzugt. Überhaupt wird man den Verdacht nicht los, dass der Sender „seinen“ Kandidaten über die Maßen pusht. Der Sender gestaltet das Bild, dass die Zuschauer vom Kandidaten haben entscheidend. So gesehen, sollte man an dieser Stelle ansetzen, um wieder mehr „Gerechtigkeit“ in die Show zu bringen, aber ob das der Sender will, dürfte zumindest bezweifelt werden.
Die Macher von DSDS und vor allem Dieter Bohlen sollten sich nach dieser Staffel mit diesen Einwänden und Vorschlägen auseinandersetzen, will man nicht weiter an Boden bzw. Einschaltquoten verlieren.
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